Wie entsteht der Strompreis – und warum steigt er ständig?

Aktuell gehen wieder Meldungen durch die Medien, die für das Jahr 2020 höhere Strompreise voraussagen. Die Versorger haben durchschnittlich Erhöhungen von 8,1 Prozent angekündigt. Zum Jahreswechsel 2019/2020 hatten viele deutsche Haushalte bereits mit einem höheren Strompreis zu kämpfen. In Niedersachsen beispielsweise haben 51 von den vorhandenen 67 Stromanbietern ihre Preise erhöht. Durchschnittlich wird der Strom dort um 8,2 Prozent teurer.

Viele Verbraucher machen sich nun Sorgen über die steigenden Ausgaben für Energie. Aber woran liegt es überhaupt, dass es in den Haushalten Jahr für Jahr höhere Summen auf der Strom-Abrechnung stehen?  Um den stetigen Anstieg der Strompreise besser zu verstehen, hilft es, sich genauer anzuschauen, aus welchen verschiedenen Bestandteilen sich der Preis genau zusammensetzt. So lässt sich besser nachvollziehen, welche Einflussfaktoren für die Preissteigerungen verantwortlich sind.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die Antwort auf die Frage, wie sich der Strompreis zusammensetzt, ist komplexer, als man zunächst denken könnte. Zum einen variiert er regional. Zum anderen ist die Zusammensetzung für Industriekunden und Haushaltskunden unterschiedlich, da die steuerlichen Regelungen voneinander abweichen. Im Folgenden betrachten wir ausschließlich die Strompreisentwicklung für Privatpersonen, für die sich eine durchschnittliche Zusammensetzung und einige stetig gleichbleibende Faktoren heranziehen lassen. Die Stromkosten der Privatpersonen sind durch drei wesentliche Kostenpunkte getrieben: Die Netzentgelte, die Energieerzeugung und die Steuern und Umlagen.

Steuern und diverse Umlagen machen über die Hälfte des Strompreises aus

Steuern und Umlagen machen 2020 zusammen 52,42 Prozent des Strompreises aus. Eine der wichtigsten Umlagen ist die EEG-Umlage, die für Privatverbraucher momentan mehr als zwanzig Prozent des gesamten Strompreises ausmacht. Sie fließt in den Ausbau erneuerbarer Energien, beispielsweise die Einspeisevergütung für Solarstrom.

Dazu kommt die §19-Umlage, die 2011 eingeführt wurde. Diese soll Einnahmeverluste ausgleichen, die dadurch entstehen, dass einige sehr energieintensive Unternehmen von der Zahlung der EEG-Umlage befreit sind. Sie erhöht den Strompreis für Privatverbraucher zusätzlich.

Eine weitere bedeutende Steuer ist die Umsatzsteuer. Für elektrischen Strom gilt die übliche Mehrwertsteuer von 19 Prozent ohne Ermäßigung. Der Prozentsatz bleibt immer gleich. Diese 19 Prozent werden allerdings auf den Nettopreis angerechnet. Auf den Bruttopreis gerechnet liegt der Anteil der Mehrwertsteuer dann bei etwa 16 Prozent des gesamten Strompreises.

Dazu kommt die Konzessionsabgabe, welche die jeweiligen Netzbetreiber an die Städte und Gemeinden zahlen. Im Gegenzug erhalten sie das Wegenutzungsrecht, um Stromleitungen zu verlegen. Weitere Abgaben sind die Stromsteuer, die seit 2003 konstant geblieben ist sowie die Offshore-Umlage, die die Betreiber von Windparks entlasten soll.

Durchschnittliche Zusammensetzung des Strompreises 2020 für Haushaltskunden in Deutschland. Grafik: Strom-Report.de

Durchschnittlich 25,13 % für Schwankende Netzentgelte an die Netzbetreiber

Netzentgelte sind die Gebühren, die die Netznutzer, in diesem Fall die Stromverbraucher, an die Betreiber der Stromnetze zahlen müssen. Die Höhe der Netzentgelte ist gesetzlich reguliert. Bei Privathaushalten übernimmt der Stromanbieter die Zahlung der Netzentgelte für den Kunden und zieht sie mit dem Strompreis ein. 

Die Netzentgelte variieren regional, wofür es verschiedene Gründe gibt. So spielt beispielsweise die Netzauslastung eine Rolle, die in ländlichen Gebieten meistens geringer ist. In dünn besiedelten Gegenden verteilt sich das Entgelt auf weniger zahlende Nutzer, durch die weiteren Strecken werden trotzdem viele Netzkilometer benötigt, wodurch das das Entgelt steigt. Zum Jahr 2020 wurden die Netzentgelte von den vier großen Netzbetreibern in Deutschland überwiegend angehoben oder sind gleichgeblieben.

Durchschnittlich 22,4 % für Herstellung und  Vertrieb des Stroms

Unter diesen Punkt fallen die Herstellungskosten für die Stromerzeugung. Dazu zählen unter anderem die Kosten, um Kraftwerke zu betreiben und Rohstoffe zu beschaffen. Auch die Gewinnmarge der Stromanbieter ist in diesem Posten enthalten. Sie beträgt schätzungsweise zwischen drei und fünf Prozent, genaue Angaben dazu machen die Betreiber allerdings nicht.

Tabelle: Durchschnittliche Strompreiszusammensetzung für deutsche Haushaltskunden

Anteil am Strompreis
Stromerzeugung inkl. Gewinnmarge des Anbieters
Anteil am Strompreis
22,4 %
Netzentgelte
Anteil am Strompreis
25,13 %
Steuern und Abgabeninkl. EEG-Umlage
Anteil am Strompreis
52,42 %

 

Warum steigen die Strompreise 2020 weiter?

Die jüngsten Preissteigerungen bzw. die entsprechenden Prognosen berufen sich auf:

  • 1. Die steigende EEG-Umlage
    Die EEG-Umlage ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen. 2009 lag sie noch bei 1,31 Cent pro Kilowattstunde, 2019 waren es schon 6,8 Cent. Einige Stromanbieter geben die EEG-Umlage direkt an die Kunden weiter, sodass es dadurch zu Preiserhöhungen kommt.
  • 2. Erhöhte Gewinnmargen der Stromanbieter
    Die EEG-Umlage wird von Anbietern darüber hinaus gern zum Anlass genommen, die eigene Gewinnmarge zu erhöhen.
  • 3. Die Offshore-Umlage wurde neu eingeführt
    Außerdem wirkt sich die 2013 eingeführten Offshore-Umlage auf die Strompreise aus, die zusätzliche Gebühr wird ebenfalls auf den Gesamtpreis umgelegt und verteuert diesen somit weiter. Sie dient dazu, die Betreiber von Offshore-Windparks zu entschädigen, falls die Windparks verspätet ans Stromnetz angeschlossen werden oder der Netzanschluss ausfällt.

Sind erneuerbare Energien für höhere Strompreise verantwortlich?

Nein. Viele Stromanbieter führen diese Begründung allerdings an, wenn sie ihre Preise erhöhen. Richtig ist, dass die EEG-Umlage in den letzten zehn Jahren um 4,715 Cent pro Kilowattstunde gestiegen ist und sich diese Erhöhung auf den Endpreis für die Verbraucher auswirkt. Richtig ist aber auch, dass die Strompreise durchschnittlich deutlich stärker gestiegen sind, nämlich um 7,78 Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Umlage allein erklärt den Preisanstieg also nicht.

Um die Gründe für die Preissteigerung zu verstehen, muss vielmehr auch die § 19 StromNEV-Umlage beachtet werden. Diese dient dazu, den Wegfall der EEG-Umlage von energieintensiven Betrieben, zu kompensieren – Privathaushalte und kleinere, nicht energieintensive Betriebe finanzieren den hohen Stromverbrauch der energieintensiven Betriebe, die von der Umlage befreit sind. Man könnte also auch argumentieren, dass hier schlicht eine ungleiche Verteilung der Lasten vorliegt.

Vielfach dient die Behauptung, erneuerbare Energien würden prinzipiell die Strompreise erhöhen, dazu, Ressentiments gegen die Energiewende zu schüren. Tatsächlich ist der Strompreis an der Börse durch preiswerte erneuerbare Energien sogar gesunken. Zudem gilt: Die Kosten für Umweltschäden, die durch Kohle- und Atomkraft entstehen, werden aktuell über das Allgemeinlastprinzip erhoben. Das bedeutet, dass die Gesamtgesellschaft diese Kosten trägt, die langfristig kaum bezifferbar sind. Das ist eine indirekte Subvention, die den Steuerzahler möglicherweise deutlich mehr kostet als den Umstieg auf erneuerbare Energien. Denn letzten Endes verursachen erneuerbare Energien weniger Umweltschäden, die von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen.

 

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Wenig aussagekräftig: Die Strompreise an der Strombörse

Die Strombörse EEX (European Energy Exchange) befindet sich in Leipzig. Dort haben Frankreich, Österreich und Deutschland ihre Strombörsen zusammengelegt. Die Strompreise an der EEX sinken stetig, was auch daran liegt, dass durch die große Menge an Energie aus erneuerbaren Quellen insgesamt mehr Strom verfügbar ist. (Außerdem spielt der Merit-Order-Effekt eine Rolle.)

Agora Energiewende schreibt dazu:

„Insgesamt war das Strompreisniveau im Jahr 2019 durch die hohe Produktion Erneuerbarer Energien, gesunkene Brennstoffpreise (siehe Kapitel 5) und hohe Kraftwerksverfügbarkeiten niedriger als 2018“

Die Stromerzeugung und -beschaffung macht allerdings wie oben beschrieben nur rund zwanzig Prozent der Strompreise aus. Deswegen sind die Börsenpreise nur einer von vielen Einflüssen auf den Strompreis. Zudem geben viele Stromhändler die gesunkenen Börsenpreise nicht an die Verbraucher weiter.

Ausblick: Die Strompreise der Zukunft

Steuern, Umlagen und Netzentgelte machen den größten Teil der Strompreise aus und tragen am stärksten zu dem erwarteten Preisanstieg bei. Allerdings sind Strommärkte und Energiepreise insbesondere durch die in Deutschland geltenden steuerlichen Regelungen ein kompliziertes Themenfeld. Eindeutig absehbar ist jedoch, dass sich der Trend fortsetzt und die Strompreise in den nächsten Jahren weiter ansteigen werden. Dies liegt zum einen daran, dass sich die Netze in einem schlechten Zustand befinden und die Erneuerung die Netzentgelte weiter in die Höhe treiben wird. Zum anderen ist ein weiterer Netzausbau erforderlich, um die zunehmende Wind- und Solarkraft aufnehmen zu können.

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