Doch wie funktioniert das jetzt genau mit dem Tanken? Das Praktische zuerst: Als Betreiber einer Solaranlage hat man seine eigene Tankstelle direkt auf dem heimischen Dach.

Alles, was nötig ist, ist eine Starkstromsteckdose außen am Haus, über die das Elektroauto aufgeladen werden kann. Unser Elektroauto kann an der 11 kW Steckdose nur einphasig laden, also nur auf ein Drittel der Leistung (3,7 kW) zugreifen. Dadurch braucht es gut gerne 6-8 Stunden zum kompletten „Volltanken“. Ziemlich praktisch am heimischen Laden ist, dass an sonnigen Tagen genau die Leistung vom Dach bereitgestellt werden kann, die das Elektroauto direkt solar laden kann.

Ein bisschen Planung ist allerdings gefragt, wenn man zusätzlich zu seiner Solaranlage einen Speicher zuhause hat. Denn für die optimierte Nutzung beider Verbraucher muss man sich heute noch manuell behelfen, da heute nur wenige Systeme eine intelligente Steuerung hergeben, die das parallele Laden von Speicher und Elektroauto koordiniert.

Energiewende & Zukunft

DZ-4 Praxis-Test: Sind Elektroautos schon heute alltagstauglich? 

Futuristisch, funktional und finanzierbar – die Anforderungen an moderne Mobilität sind hoch, während die Bereitschaft Gewohnheiten zu ändern, bekanntlich gering ist. Schaffen es Elektroautos da heute schon, für die breite Masse attraktiv zu sein? Gibt es bereits ausreichend Ladesäulen in Deutschland? Und wie lange braucht ein E-Auto überhaupt zum Volltanken? Nachdem unsere Mitarbeiter privat und bei Teamevents bereits viele Berührungspunkte mit Elektroautos hatten, haben wir seit März 2018 nun den ersten elektrisch betriebenen Firmenwagen bei DZ-4 im Einsatz und berichten gern von unseren Eindrücken und Erfahrungen. 

Erste Herausforderung: Das passende Elektroautos finden

Auf der Suche nach einem familientauglichen Firmenfahrzeug mit Elektroantrieb, mussten wir schnell feststellen, dass die tatsächlich verfügbare Auswahl ziemlich überschaubar ist. Zwar haben viele Hersteller neue Modellserien angekündigt (alleine die deutschen Hersteller in diesem Jahr 60 neue Elektromodelle), in den Regalen liegen sie jedoch noch nicht.

Bislang wohl am bekanntesten und begehrtesten in diesem Segment sind der BMW i3 oder die Tesla Modelle S und X. Doch schnell folgt Ernüchterung, denn während der eine nicht einmal ausreichend Platz für einen Kinderwagen bietet, übersteigen die Kosten der anderen die 80.000 Euro. Ein Ausweichen in die Welt der Hybridfahrzeuge ist da naheliegend, aber keine ernst zu nehmende Alternative. Denn die elektrischen Reichweiten liegen häufig gerade einmal bei 50 km oder weniger. Zudem wirkt die doppelte Motorisierung mit Verbrenner und Batterien wie gewollt und nicht gekonnt. Hybridfahrzeuge können allenfalls als Übergangstechnologie herhalten, bis die Kosten für die bislang noch hochpreisigen Batteriezellen fallen. Doch die Speicherpreise fallen aktuell am Weltmarkt monatlich um 1,5 Prozent, das sind 18 Prozent im Jahr. Da werden auch Hybridmodelle schnell zu teuer. Mit dem Hyundai IONIQ Elektro haben wir dann schließlich einen E-Auto gefunden, das sich mit einem Preis unter 25.000 Euro, rund 300 km elektrischer Reichweite bei 28 kWh Speicherkapazität und ausreichend Stauraum als Test-Firmenwagen für DZ-4 qualifiziert hat. Passend zu unserem Geschäftsmodell haben wir einen Anbieter gefunden, bei dem wir das E-Auto unserer Wahl auch kurzfristig bequem mieten konnten. Möchte man den IONIQ kaufen, muss man ab Bestellung aktuell eine Lieferzeit von 12 Monaten einkalkulieren. 

Mit einer Solaranlage wird das eigene Dach zur Tankstelle

Doch wie funktioniert das jetzt genau mit dem Tanken? Das Praktische zuerst: Als Betreiber einer Solaranlage hat man seine eigene Tankstelle direkt auf dem heimischen Dach.

Alles, was nötig ist, ist eine Starkstromsteckdose außen am Haus, über die das Elektroauto aufgeladen werden kann. Unser Elektroauto kann an der 11 kW Steckdose nur einphasig laden, also nur auf ein Drittel der Leistung (3,7 kW) zugreifen. Dadurch braucht es gut gerne 6-8 Stunden zum kompletten „Volltanken“. Ziemlich praktisch am heimischen Laden ist, dass an sonnigen Tagen genau die Leistung vom Dach bereitgestellt werden kann, die das Elektroauto direkt solar laden kann.

Ein bisschen Planung ist allerdings gefragt, wenn man zusätzlich zu seiner Solaranlage einen Speicher zuhause hat. Denn für die optimierte Nutzung beider Verbraucher muss man sich heute noch manuell behelfen, da heute nur wenige Systeme eine intelligente Steuerung hergeben, die das parallele Laden von Speicher und Elektroauto koordiniert.

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Für das Laden unterwegs hat man häufig keine 6 Stunden Zeit. Daher gibt es sogenannte Schnelllade-Stationen, die sich über diverse Apps einfach finden lassen. Mit 50 kW braucht man hier zum Volltanken nur noch gut 20 Minuten. Pro kWh berechnet das Stromnetz Hamburg dafür dann beispielsweise 28 Cent. Dank Ladeabrechnungs-Anbietern wie NewMotion und Plugsurfing kann (außer an den exklusiven Tesla Säulen) nahezu überall geladen werden


100 Prozent Fahrspaß ohne die Umwelt zu belasten

Beim ersten Fahren mit einem Elektroauto setzt schnell das Fahrvergnügen ein: durchzugsstark im Antritt, sparsam im Stadtverkehr und beeindruckend leise. Darüber hinaus gibt es eine Rückgewinnung der Bremsenergie zum Batterieladen, die sogenannte Rekuperation beim Verlangsamen.

Unser Testwagen lässt darüber hinaus nichts an Komfort vermissen. Es gibt Spurhalte- und Abstandsassistenzen, Videosysteme beim Einparken, Sitzheizung- und kühlung, Wärmepumpe und natürlich ein digitales Infotainmentsystem inklusive Navigationsgerät und Soundsystem. Moderne Mobilität umfasst eben auch Komfort und Eleganz.


Unser Fazit: Es braucht nur kleine Kompromisse für die ganz große Liebe

In der Anfangszeit mit einem Elektroauto ist die „Reichweitenangst“ zwar noch präsent, doch man entwickelt hierfür schnell ein Gespür. Bei Langstrecken ist nach gut 150 km ist eine Pause an einer Schnell-Ladestation Pflicht. Außerdem muss man sich von seinem Bleifuß verabschieden und zum gemäßigten Mittelspurfahrer werden, um die 150 km bequem zu schaffen. Zwei kleine Kompromisse, die einen aber auch gleichzeitig zu einem vernünftigeren und sichereren Autofahrer machen.

Schaut man sich den Verbrauch an, macht es in der Stadt so richtig Spaß. Auf 100 km hat man, auch dank der Rekuperation, gerade einmal einen Stromverbrauch von 10 kWh. Das sind sagenhafte 2,80 Euro Treibstoffkosten pro 100 km Strecke – etwa ein Drittel des klassischen Verbrennungsmotors. 

E-Mobilität ist die Zukunft und die Zukunft beginnt jetzt! Da sind wir uns sicher. Selbstverständlich gibt es in puncto Ladesäulen-Infrastruktur in Deutschland noch deutliches Ausbau-Potenzial. Auch die Fahrzeughersteller sind gefragt, die Angebotsvielfalt auszuweiten und passende Modelle für die verschiedenen Kunden-Bedürfnisse zu entwickeln. Es wäre wünschenswert, dass auch die deutschen Hersteller endlich aus dem Knick kommen und das Potenzial von moderner Mobilität zu einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis erkennen.

~ Ein Beitrag von Janik, Elektroauto-Fahrer und DZ-4 Technik-Chef

Autor
DZ-4 Team
Beitrag aus dem DZ-4 Team
Unsere Kollegen berichten aus ihren Fachbereichen , von ihren Erfahrungen und dem was sie bewegt.

Kommentare

Hans-Peter Kunkel:Fr, 28.09.2018 - 12:52
Bei Strom aus der Steckdose sind 41,8 % aus Kohle und 14,3 % aus Kernernergie erzeugt mit 471 g/kWh CO2 und radioaktiver Abfall. Solange das nicht besser bzw. weniger wird bleibe ich bei einem Hybridfahrzeugen und habe damit weniger CO2 Ausstoss und keinen radioaktiven Abfall.
Janik // DZ-4:Mo, 01.10.2018 - 08:48
Hallo Herr Kunkel. Danke für Ihren berechtigten Hinweis! Viele Elektrofahrzeug-Nutzer sind in Bezug auf die Zusammensetzung des Netzstroms besorgt. Die Lösung besteht zum einen darin, selbst ein Solarstromsystem auf dem Dach zu betreiben, um direkt den preiswerten Sonnenstrom zu laden, zum anderen in einem Grünstromtarif, der den Bezug von Ökostrom zumindest bilanziell sicherstellt.

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